Die Fenster der Wiesenkirche (II)
Die Fenster im Nord- und Südchor werden dem Anfang des 15. Jahrhunderts
zugeordnet, die in der Nordwand der Zeit um 1500. Das berühmteste von ihnen
ist das „Westfälische
Abendmahl“. Die beiden großen Fenster der Nordwand, das Patroklus- und das
Wurzel-Jesse-Fenster, zeigen in kriegsbedingten Ergänzungen aus den 60er
Jahren bereits eine Handschrift, die dann eine ganze Generation später
erneut und in überraschend großem Umfang zum Zuge kommen sollte: die des
Glasmalers Prof. Hans Gottfried von Stockhausen (Jahrgang 1920). Von 2001
bis 2003 schuf er nicht weniger als 17 völlige Neuverglasungen in den
Fenstern der Südwand, der Tauf- und der Gedächtniskapelle, den Emporen
darüber und dem Westwerkfenster dazwischen. Ein großzügiger Soester Bürger
als Mäzen hat die erneute Beauftragung des Künstlers aus Württemberg möglich
gemacht. Vielleicht zum ersten Mal überhaupt in ihrer bald 700jährigen
Geschichte sind die zahlreichen Fenster der Wiesenkirche mit ihrer
farbenprächtigen Glasmalerei komplett vollendet. Alle diese Bilder wollen
der Verkündigung des Evangeliums dienen.


Das
mittlere Hauptchorfenster, das Christusfenster
über dem Hauptaltar, zieht die Blicke in
besonderer Weise auf sich. Unten in der Mitte
steht Christus zwischen zwei Engeln. Sein
aufgeschlagenes Buch verkündet: „Ich bin der
Anfang und das Ende“. Das Bild darüber zeigt
das Christuskind auf dem Arm seiner Mutter
Maria. Über den Architekturscheiben sehen wir
den gekreuzigten Erlöser mit Maria und Johannes
und ganz oben im Maßwerk den auf dem Regenbogen
thronenden Christus als Weltenrichter.
Diesem ältesten und zentralen Ostfenster sehen wir gegenüber im
Westen eines der neuesten: das Heilig-Geist-Fenster. Lebendig und
farbenfroh ineinander übergehende Kreise, Ringe und Bögen stellen
den Heiligen Geist als schöpferische Kraft der ganzen
Heilsgeschichte dar. Es beginnt unten mit der
Schöpfung („Der Geist Gottes schwebte
auf dem Wasser“), setzt sich über der
Vierpassbrücke fort mit dem Regenbogen nach der
Sintflut, darüber mit der Menschwerdung des
Gottessohnes, dessen Geburt der Erzengel Gabriel
der Jungfrau Maria ankündigt, und dem Kreuz im
roten Kreis als Zeichen der Erlösung. Das rätselhafte
Bild im blauen Kreis mit den wegflatternden
Leichentüchern ist ein Auferstehungssymbol (von
Stockhausen). Ganz oben im Maßwerk ein rotes
Band, das sich durch Herbstlaub zieht: Vergehen
und Wiederkehr, immer währende
Geistesgegenwart.
Alle
anderen Fenster ordnen sich diesen beiden zu: in
der Verkündigung der Heilsgeschichte.
St.
Maria zur Wiese – ein aus Stein und Glas
erbautes Transparent des Himmels.