Im
das Jahr 1180 teilte der Kölner Erzbischof Phillip von Heinsberg die
Stadt Soest - die zu Köln gehörte - in 6 Pfarreien ein. Diese
entsprechen in etwa den "Hofen" der Stadt. Die "Nordhofe" erhielt 2
Pfarrbezirke: St. Georg und St. Maria zur Wiese.
Zum
Bereich der Wiesenkirche zählten außerdem die Börde-Ortschaften:
Lühringsen, Kutmecke, Thöningsen, Ellingsen, Balksen, Wehringsen und die
Höfe auf der Katroper Höhe bis zu der Ansiedlung am Dörmen. Die südliche
Grenze bildet der Soestbach.
Bis
zum heutigen Tag ist diese Einteilung erhalten geblieben.

Die Wiese-Gemeinde ist älter als die Wiesenkirche.
Ausgrabungen haben unter der Wiesenkirche die Fundamente einer
romanischen Vorgängerkirche "Maria im Sumpf"
(St.
Maria in Palude) zutage gebracht.
Die
ersten Pfarrer in der Wiesenkirche waren gleichzeitig Mitglieder des
Patrokli-Stiftes und unterstanden dessen Dechant. Im Mittelalter war die
Wiesenkirche Wallfahrtskirche. Das Marienbild, das heute in Werl - einer
Nachbarstadt Soests - verehrt wird,
soll
einst von der Wiesenkirche überführt worden sein. Außerdem soll eine
wundertätige Quelle der heiligen Anna, die der Legende nach die Mutter
Mariens war, eine Rolle gespielt haben. Neben den Aufgaben, die St.
Maria zur Wiese als Pfarrkirche zu erfüllen hatte, waren weitreichende
übergemeindliche Aufgaben zu erfüllen. Jedem der in der Wiesenkirche
betete, wurde von Papst Gregor XI. ein Ablass versprochen. Dies
beurkundet ein Brief aus dem Jahre 1371. Zur Zeit der Reformation
vertritt der Dominikaner-Mönch Thomas Borchwede, in seinem
Predigtdienst, den er in der Wiesenkirche zu absolvieren hatte, um 1530
die reformatorische Lehre. Die Gemeinde der Wiesenkirche möchte gern
evangelisch - lutherisch werden.
Bei
den heftigen Auseinandersetzungen ruft man schließlich den Herzog
von Cleve als Landesherrn zur Hilfe und die Wiesenkirche darf - wie
übrigens alle Pfarrkirchen der Stadt - evangelisch bleiben.
Die
Pastoren der Wiesenkirche in der nachreformatorischen Zeit wurden meist
vom Rat der Stadt
Soest
gewählt. Es gab dabei lange Zeit eine enge Verbindung zum Archigymnasium,
weil viele Pfarrer Lehrer oder Rektoren des Gymnasiums waren. Lebendiges
Gemeindeleben zeigte sich in dieser Zeit an den Sonntagnachmittagen, wo
die Pfarrer Predigten mit Kinderlehre hielten. Es wird berichtet, dass
die Kirche St. Georg bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Die
Nachmittagspredigten gingen vom Katechismus aus und endeten in
Betstunden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Soest zu einer kleinen
armen Landstadt geworden. Die vielen Kirchen in der Stadt, die bereits
verfielen, konnten nicht mehr unterhalten werden. In Soest wurde 1822
beschlossen, auch die St. Georgs-Kirche abzubrechen und die Gemeinde mit
der Wiesengemeinde zu vereinen.
Trotz
großer Wehmut und Trauer feierte man am 4. Sonntag nach Trinitatis das
Fest der Vereinigung in der Wiesenkirche und es wird berichtet, dass die
Wiesenkirche die große Gottesdienstgemeinde kaum fassen konnte. In der
Vereinigungsakte wurde festgesetzt, dass die Georgs-Gemeinde ferner für
sich bestehen und erst nach dem Tod einer der beiden Prediger beide
Gemeinden eine Einheit bilden sollten. Wichtig war allerdings, dass man
sofort gemeinsam das Abendmahl feierte.
In
der Folgezeit waren einige Pfarrer der Wiese-Georgs-Gemeinde
Superintendenten der Soester Kreissynode. Julius Wiesmann (1837-53), dem
wir den Aufbau der Türme verdanken, bekleidete zeitweise sogar das Amt
des Präses des Kollegiums der Stadtverordneten (entspricht dem
Bürgermeisteramt).
