Ev.
Wiese-Georgs-Kirchengemeinde Soest
Geschichte der Wiesenkirche
(Siehe hierzu auch den Beitrag "Anmerkungen
zur mittelalterlichen Baugeschichte der Wiesenkirche)
I.
Von den sieben prächtigen Kirchen aus dem Mittelalter, die man noch
heute innerhalb der Stadtmauern der alten Hansestadt Soest finden
kann, ist eine unsere schöne Wiesenkirche.
Zitat Theodor Heuss:
"Die Wiesenkirche ist eine gotische Hallenkirche von überwältigender
innerer Logik der Maße: weit, hell und klar; die Dienste steigen an den
schlanken Säulen ohne Kapitell zu den Rippen, alte und gute
Glasmalerei gibt die farbige Tönung zu dem weichen Grün des Steins".
Das Besondere unserer
Kirche liegt wohl in der Harmonie der wunderbaren gotischen
Architektur, dem "grünen Sandstein", aus dem die Kirche erbaut
wurde, den mittelalterlichen Glasfenstern und den noch vorhandenen
Kult- und Kunstwerken.
Trotz der unterschiedlichen Bauphasen und Baumeister bildet
sie ein harmonisches Ganzes. Bis zu 200 Besucher kommen täglich in
unsere Kirche, doch für uns als Gemeinde und auch für die Bewohner
der Stadt ist sie in erster Linie ein Haus, in dem seit
Jahrhunderten schon Gottesdienst gehalten wird, Trauungen
und Taufen stattfinden und der Verstorbenen gedacht
wird. Trotz all der Schönheit und der vielen Sehenswürdigkeiten ist
sie ein Ort der Besinnung und des Gebets.
II.
Die Grundsteinlegung zum Bau der gotischen Hallenkirche St. Maria
zur Wiese erfolgte im Jahre 1313 durch den Baumeister
Johannes Schendeler.
1376 wurde der Chor
der Wiesenkirche geweiht.
Im Jahre 1530 war nach Jahrhunderten des Stillstandes mit der Vollendung
des Westwerkes ein vorläufiger Abschluß des jüngsten mittelalterlichen
Kirchenbaues in Soest erreicht.
Erst 300 Jahre später
wurden dank der Förderung des preußischen Königshauses die beiden 81
m hohen Türme gebaut.
Am 15.10.1882 feierte die Gemeinde das Fest der Bauvollendung.
In den vergangenen 100 Jahren hat die Wiesenkirche durch einen starken Verwitterungsprozeß des "Soester Grünsandsteins" einen ständigen
Restaurierungsbedarf erzeugt.
Durch die Opferbereitschaft der Gemeinde und Freunde dieses
Bauwerkes sowie, mit staatlicher und kirchlicher Unterstützung
konnten die dringend notwendigen Restaurierungsmaßnahmen
durchgeführt werden.
Schwer beschädigt wurde die Wiesenkirche im 2. Weltkrieg (1939-1945).
Eine im Mittelschiff explodierende Bombe brachte 3 Gewölbe zum Einsturz;
1 Pfeiler wurde stark zerstört. Vernichtet wurden die Kanzel und der
Barockaltar. Die Wiedereinweihung nach den Kriegszerstörungen
erfolgte am 15.10.1950 durch den Bundespräsidenten Dr. Theodor Heuß.
Nach der Renovierung
des gesamten Innenraumes (1971-74) und des Außenmauerwerks (1978)
beschloß das Presbyterium der Wiese-Georgs- Kirchengemeinde 1986 die
vom Steinzerfall bedrohten Turmschäfte zu retten und sie in Form und
Bauzier auf den Erstzustand des 19. Jahrhunderts zu restaurieren.
(Siehe Abschnitt "Restaurierung") Mit den Arbeiten wurde 1987
begonnen.
Maße der Wiesenkirche:
Der Architekt Memminger, der bei der Vollendung und Restaurierung
der Wiesenkirche im vergangenen Jahrhundert verdienstvoll beteiligt
war, hat festgestellt, daß man alle Abmessungen der Kirche durch
Kreise von 13,5 m Durchmesser festlegen kann. Legt man ihrer drei
nebeneinander, so
umschreibt der östliche das Zehneck des Hauptchores, während die
beiden anderen die Kirchenlänge bis zur Turnhalle ergeben.
Mit dem gleichen Kreis lassen sich die vier Pfeiler des Langhauses
umschließen; zwei dieser Kreise aneinandergereiht rühren an die
Außenkanten der nördlichen und südlichen Umfassungsmauer. Der Radius
dieser Kreise (= 6,75 m) stellt nach Memminger das Einheitsmaß für
alle Bauteile dar; er ist im Durchmesser der Seitenchöre einmal, in
der Höhe der Kirchenschiffe bis zum Scheitelpunkt der Gewölbe
viermal, in der Turmhöhe bis zum Ansatz der Helme achtmal und bis
zur Spitze (81 m) zwölfmal enthalten.
Tatsächlich betragen die Maße: Länge der Kirche 50 m,
Breite der Kirche 27 m,
Höhe der Kirche 24 m,
Länge des Kirchenschiffes ohne Chöre und Türme 29 m,
Rauminhalt 27.000 cbm,
Wand- und Deckenflächen 2.600 qm,
Fensterflächen 836 qm.
Aufteilung der
Fenster im Hauptchor (20 m hoch) durch Maßwerkbrücken: nach dem
"Goldenen Schnitt".
Hans-Dieter Bödecker